Ja mei, ist denn heute schon Weihnachten? Nö, das war schon. Und genauso schnell, wie es uns eingeholt hatte, war das Fest der Feste auch wieder an uns vorbeigezogen.
Von Townsville nach Cairns
Wir hatten Townsville hinter uns gelassen und waren Richtung Cairns aufgebrochen. Und ein Evergreen besagt, dass du Deutsche überall triffst. Und auf dem Parkplatz der BP in Townsville wimmelte es geradezu von diesen. Ein junges Pärchen, ähnlich attraktiv wie wir, war uns auf dem Parkplatz aufgefallen, da sie jede der fünf Nächte praktisch neben uns gestanden hatten. Das wir die beiden aber nun auf einem Rastplatz 20 Minuten von Cairns wieder neben uns stehen haben würden – naja, ich hätte lieber im Lotto gewonnen.
Auf dem Weg nach Cairns hatten wir in einem sehr schönen Camp Halt gemacht. Duschen, eine Möglichkeiten um das Geschirr ordentlich abzuwaschen und der ein oder andere Schattenplatz hatten dieses Camp als wahren Luxus erscheinen lassen. Und wir hatten uns tatsächlich sogar in einen Creek gewagt, trotz dass wir uns hier im Krokodil Land befinden (siehe Türchen 18)
Der nächste Stop sollte uns wiederum in ein Camp führen. Luxus? Luxus wäre für uns schon gewesen, wenn man sich hätte auf die einzige Toilette im Umkreis von 10 km getrauen können. Aber neben den üblichen Verdächtigen wartete am ersten Abend gleich eine wunderschöne und Angst einflößende Schlange auf Lauri am Eingang. Gott sei Dank wurde ich wieder schnell zu Rate gezogen und durfte diese auch begutachten, wo ich Schlangen doch so liebe. Zum Glück hatte unser LED-Leuchter ganze Arbeit geleistet und Lauri wurde nicht als nächste Mahlzeit auserkoren, denn sie verdrückte eine Kröte, die sie dort jagte. Und hier im staubigen Norden von Australien trafen wir wieder auf das Paar. Angesprochen haben wir sie dann nicht, wir haben wirklich keine Lust mehr auf die Deutschen.
What up with the police?
Und wie ist das eigentlich mit der Polizei hier? Immerhin waren wir gefühlt dreimal um die Erde gefahren, ohne auch nur einmal von denen beachtet zu werden. Mein Fahrstil muss der Beste und gleichzeitig unauffälligste sein. Die perfekte Kombination. Naja, mit dieser Annahme war es schon in Airlie Beach vorbei. Erinnert ihr euch, dass wir dort wegen dem Security Lieblingsmensch fast eine Stunde bis zum Rastplatz fahren mussten?
Ich hatte im Beitrag vollkommen vergessen, zu erwähnen, dass ich um Mitternacht mit Blaulicht und Tatütata angehalten wurde, um mal kräftig ins Röhrchen zu pusten. 0,0 und trotzdem war der Puls bei 200. Denn! Wir haben hier noch das eine oder andere Knöllchen, was theoretisch bezahlt werden müsste. Allerdings hatten uns damals Italiener gemahnt, dass wir so eins never ever bezahlen sollten, ich zitiere: „I don´t give a sh*t about the police here. I have 20 of them…“ diese Italiener…
Das schlechte Gewissen
Tatsächlich ist es dann wahrscheinlich das schlechte Gewissen, was einen plagt und so kam es, dass wir nun auf diesem Parkplatz von einem Cop angesprochen wurden. „Der checkt unser Autokennzeichen, ich habe es im Gefühl, wir sind am Arsch. Ich will doch nicht ins Gefängnis“. So oder so ähnlich lief unser Horrorszenario ab.
Letztendlich wollte er nur wissen, wo der gruselige Typ aus Zelt 187 hin sei. Da wir keinen Plan hatten, wünschte uns der Officer noch einen schönen Tag. Aber! Auf einem Parkplatz in Cairns, wir hatten uns gerade über die elektronischen Toiletten belustigt, fuhr ein Federal Marshall im Schritttempo an uns vorbei. Wir hatten die Heckklappe aufgelassen, um einen Durchzug zu erzeugen und ich war topless rumgelaufen. Er fuhr also vorbei und rief laut: „Hey Buddy.“ Ich habe mir schnell mein Shirt geschnappt und bin hin. „Coole Küche hast du da, wie lange bist du noch da?“ 1000 Gedanken schießen mir durch den Kopf. Gefängnis. Seife. Guantanamo. „Na gut, dann hab noch viel Spaß und genieß deine Zeit in Cairns.“ Was zwischen coole Küche und viel Spaß noch passiert war, kann ich einfach nicht konstruieren.
Die Konfrontation
Aber jetzt kommts, denn unsere Glückssträhne hält an. Auf dem Weg Richtung Süden von Cairns, Lauri wird ausführlich berichten, wurden wir jetzt von einem mächtig überengagierten Cop angehalten. Der hatte eine Kamera an seiner feschen Mütze und ich glaube es sind diese gutaussehenden jungen Kerle, die gefühlt jede Woche in den USA jemanden auf dem High Way mit einem Taser umnieten. Er monierte sich darüber, dass Laura ihre Füße aus dem Fenster gestreckt hatte. Angeblich sei der Winkel der Füße nur dann möglich, wenn man nicht angeschnallt wäre und nicht anschnallen bedeutet 350 Bucks. Ich beschwor darauf hin, dass sie angeschnallt gewesen wäre, was sogar stimmte, aber er wollte dennoch unsere sämtlichen Papiere und stampfte wieder zu seinem wunderschönen BMW. Diese Bayern…
Uns war schon klar, dass er alles checken würde und tatsächlich war er der Erste, der uns mit dem Knöllchen konfrontierte. Ist es nicht manchmal schön, Ausländer zu sein und so tun zu können, als ob man kein Wort versteht?
„Wir haben ein Ticket? Ich weiß nicht was das heißt, heißt das, das wir kein Nummernschild dran gehabt haben?“ „Nein, nein, Sie haben einen Strafzettel, wegen Parkens.“ „Können Sie mir das erklären? Kann ich das online zahlen?“ Der arme Typ schwitzte ganz schön bei 40 Grad in der Sonne und es sammelte sich schon ein Oberlippenbart aus Schweiß. „Na gut, ich belasse es bei einer Belehrung.“ „Ok vielen Dank.“
Lauri hat danach noch einmal vorsorglich gecheckt, ob ich den Typ gerade wirklich so professionell vorgespielt habe, dass ich keines seiner Wörter verstehe. Es war mir eine Ehre.
Ein fettes Steak und Planschen in der Lagune
Aber zurück nach Cairns. Cairns ist wirklich schön. Sehr groß, sehr weitläufig und gar nicht so extrem warm und schwül wie alle gesagt haben. Ja, es sind 40 Grad, ja es ist schwül. Aber der Durchzug, die Lagune und das ein oder andere Shopping Center haben uns gut bis Silvester durchhalten lassen.
Zum Heiligabend haben wir uns ein schönes fettes Steak gebrutzelt und anschließend reichlich beschert. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir mit Arbeiten und Planschen in der Lagune verbracht. Wir besuchten einen Zoo und tauchten noch einmal im Great Barrier Reef. Es gibt wirklich Schlimmeres.
Friedlicher internationaler Jahreswechsel
Für Silvester hatten wir uns dann einiges vorgenommen. Bier, Bier und Bier. Und Casino. Und es gab tatsächlich jede Menge Cidre, was nach der 5. Dose gar nicht mehr so gut schmeckt und es gab das Casino. Wenn man in den Filmen über die lacht, die total ausrasten, weil sie ein Casino betreten und am Ende das abends mit leeren Taschen wieder nach Hause schlürfen: hätte ich mich nicht auf Lauri geworfen, wir wären so Richtung Sonia geschlürft. Die Lichter, die Geräusche, das alles hatte sie magisch in den Bann gezogen. Ich konnte Schnuggi aber am Ende doch überzeugen, die 20 A$ zu sparen und auf der Tanzfläche ins neue Jahr abzuzappeln.
Um Mitternacht rannten wir dann aus dem Casino Richtung Esplanada, um das große Feuerwerk der Stadt zu bestaunen. Es war wirklich etwas Außergewöhnliches. Ein wunderschönes Ambiente, Sand unter den Füßen, die Hitze die einen umschwirrte und so viele Kulturen friedlich auf einen Fleck, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben hatte. Und keinen interessierte es, dass hier 255 Nationen zusammenkamen, einzig und allein das Feuerwerk und die gute Stimmung waren wichtig. Und 10 Minuten nach Mitternacht war es dann auch alles wieder vorbei. Es scheint hier nicht so zu sein, dass die Menschen dann noch lange in die Nacht feiern. Mitternacht, anstoßen, knuddeln, knutschen, ab nach Hause. Nun gut, direkt nach dem Feuerwerk kam ein großer Regenschauer runter, aber das alleine reicht nicht als Begründung. Wir begaben uns todmüde noch einmal ins Casino, um auch die letzten Kalorien aus den Beinen zu tanzen.

255 Nationen friedlich vereint. Ich vermute, jede Nation hat die Besten und Liebsten geschickt. Auf Deutschland trifft das schon mal zu. 🙂
“Lauri wurde nicht als nächste Mahlzeit auserkoren, denn sie verdrückte eine Kröte, die sie dort jagte.”
Da hat es Laura der Schlange aber gezeigt. Laura – Queen of the jungle. Wenn du wieder nach Hause kommst, gibt es Kröteneintopf.