Wir hatten also unseren Captain und den Trip auf Fraser Island überstanden.

Nach der Zeit des Zurücklehnens und Entspannens war es wieder an der Zeit für körperliche Ertüchtigung. Wir machten uns auf den Weg Richtung Noosa Heads. Ein wunderschönes Städtchen, mit einer azurblauen Lagune und dem Zugang zu den Noosa Everglades. Eigentlich wollten wir bereits zu Lauris Geburtstag einen Kanutrip durch die Everglades machen, aber schlechtes Wetter und der Geiz hatten dagegen gestimmt. Aber nun wendete sich das Schicksal zu unseren Gunsten und wir erbeuteten über eine Schnäppchenseite ein Tagesangebot, welches über 60% günstiger war, als das Ausgangsangebot.

Die Nacht verbrachten wir am Boreen Point, der ganz in der Nähe zu unserem morgendlichen Treffpunkt gelegen war. Und wie sollte es anders sein? Es stürmte und regnete extrem, sodass die Gefahr bestand, dass unser Trip im See untergehen würde. Doch am Morgen, als die Rollläden hochgezogen und die Umgebung gesichtet wurde, bot sich uns schönster Sonnenschein mit einer angenehmen Brise. Das diese Brise am Ende wieder für unglaubliche Schmerzen sorgen würde, war noch nicht abzusehen.

Der Guide mit dem britischen Touch

Unser Veranstalter war ein älterer Herr, der ganz begeistert von Laura, mir und unserem Van war. Er hatte etwas Britisches in seinem Slang, doch ich getraute mir nicht nachzufragen.

Seine Zuneigung hatte ich gewonnen, weil ich denselben Vornamen wie er trage – „Big Robert“. Laura war aufgrund ihres Sonnenhuts der Star. Und Sonia? Sonia galt ihm als Model, weil er demnächst einen eigenen Van ähnlich unserer Sonia gestalten wollte. Also tauschte ich mich ganz fachmännisch über dieses und jenes aus. Natürlich hatte ich keinen Dunst von irgendwas. Ich glaube er ist mir auf die Schliche gekommen, als er fragte, wann wir das letzte Mal mit unserem Rohr, welches am Dach angebracht ist, geduscht hätten. Ich geriet ins Stottern und brachte die schlechteste Lüge EVER heraus. Über die Details möchte ich an dieser Stelle nicht reden, sorry.

Es ging auf dem See Richtung Everglades und der Guide hatte uns auf schwierige Bedingungen vorbereitet. Doch dass ein bisschen Wind von der Seite mir so die Nerven rauben könnte, hätte ich auch nicht gedacht. Im Zickzackkurs ging es zum ersten Checkpoint. Das war eine verlassene Tourist Information mitten im Nirgendwo auf dem See. Es war der Wahnsinn! Der Wind pfiff durch das noch vollständig intakte Holzgebäude, rings um uns herum nur Wasser und Urwald. Wir ruhten uns aufgrund der ersten Strapazen aus. Wir hatten immerhin die doppelte Zeit bis zur Information benötigt.

Kurs auf die Everglades

Nach der kurzen Regenerationsphase saßen wir wieder im Kanu und nahmen Kurs auf die Everglades. Das Wasser war zum Glück deutlich ruhig und so konnten wir uns durch ein Meer von Seerosen hin zu dem Flussverlauf kämpfen. Zwischendurch hatte mich noch etwas am Rücken direkt an der Wirbelsäule gestochen. Die Schwellung war so groß wie ein Tennisball und hart, sodass an Anlehnen im weiteren Verlauf nicht mehr zu denken war. Der Flussverlauf der Everglades war super, Natur pur. Auch waren an diesem Tag relativ wenig andere Paddler unterwegs, sodass wir die Ruhe und die Sonne genießen konnten. Ein Manko war, dass es keinerlei Schatten vorhanden war und wir knappe sieben Stunden gegrillt, ich meine wirklich gegrillt, wurden.

Mit etwas Sonnenbrand, Brandblasen an Lauris Kinn und dem Tennisball auf dem Rücken ging es erschöpft weiter nach Gympie. Gezeichnet von dem anstehenden Muskelkater waren wir froh, am Abend nur mit den nötigsten Armbewegungen unser Essen zubereiten zu können.

Und wieder eine verschluckt

Man hatte uns gewarnt. Was hatte man uns gewarnt! Leute, seid ihr eigentlich bescheuert in den Norden zu fahren? Da fühlt sich Satan am Wohlsten, denn da herrschen Temperaturen wie in der Hölle. Und da leben Tiere, denen wolltet ihr doch erst begegnen, wenn, ach Bullshit, den will niemand begegnen. Und habt ihr mal über die Krabbeltiere nachgedacht? Bekommt ihr nicht genug zu essen oder warum seid ihr scharf darauf, möglichst viele davon zu verspeisen?

Aber was wären die Stories von Lauri und mir Wert, wenn wir dies nicht gewagt hätten? Die Einleitung des Nordens fand in Gympie statt. Dort lag ich gerade auf unserem Bett als eine sichtlich verstörte Laura in den Wagen sprang und schrecklich anfing zu weinen. „Da da“, gäääg, rotz, Schmodder, „da sind ganz ekelhafte Spinnen auf der Toilette.“ „Hier Schatz, nimm das Insektenspray und wehre dich, wenn du attackiert wirst.“ Das Ende vom Lied war, dass ich nach 20 Minuten Überredungsarbeit die Hand von Lauri beim Pullern gehalten habe und dabei die Spinnen überwachen musste. Aber zugegeben, die Viecher sahen ekelerregend aus, immerhin konnte ich ihnen direkt in die Augen sehen. Als wir zu zweit aus der Frauen Toilette staksten, wunderte sich eine Frau über meine Anwesenheit und die verheulte Kleine neben mir. Die Erklärung mit den Spinnen fand sie dann aber zum Glück überzeugend.

Muskelkater und Rum

Am nächsten Morgen brachen wir mit deutlich stärkeren Muskelkater Richtung Bundaberg auf. Bundaberg ist die Stadt des Rums in Australien. Was bei uns Havanna oder Barcadi Rum ist, ist Bundaberg Rum hier. Und leider hat diese Stadt auch nicht mehr zu bieten.

War aber auch nicht weiter schlimm, weil wir sowieso nach Mon Repos wollten, ein kleines Dorf knapp 10 Minuten von Bunda entfernt. Dort hatten wir uns für eine nächtliche Schildkrötentour angemeldet. Nach der abendlichen Dusche auf einem kleinen Berg und dem Sonnenuntergang im Hintergrund ging es zur Nachtwanderung am Strand. Wir durften eine riesige 1 Meter große Schildkröte beim Ablegen ihrer Eier beobachten. Das war für mich bislang der speziellste Augenblick hier, auch wenn es etwas komisches hat, dass mitten in der Nacht knapp 30 Menschen um eine Schildi herumstehen und Bilder davon machen, wie diese Eier aus ihrem Körper presst. Trotzdem war es schön und berührend eines der kleinen Eier in die Hand zu nehmen.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Nach Bunda war unser nächster Punkt auf der Route Rockhampton. Gestern haben wir uns den botanischen Garten und einen Tierpark angeschaut. War sehr schön und sehr kostenlos.

Aber, Sonia wäre nicht Sonia, wenn sie nicht Sonia wäre. Und so war es endlich mal wieder an der Zeit für ein technisches Problem. Dieses Mal flackerte unsere Öllampe. In der Vergangenheit hatte ich schon mal Erfahrung mit einer Öllampe und einem anschließenden Motorschaden gemacht, weshalb ich Weiterfahren sehr kritisch sah. Zwischenzeitlich haben wir uns schon über einen Abschleppdienst und seine Kosten informiert, aber nach einer Nacht warten haben wir es dann glücklicherweise selbstständig zur Werkstatt geschafft. Dort wird gerade dieses und jenes repariert, weshalb Weihnachten, tut mir echt Leid Freunde, ausfallen muss.

Hab euch trotzdem lieb.

2 Kommentare

  1. Anett und Uwe

    Robert, wieder ein erfrischender Eintrag und tolle Bilder; Daumen hoch!
    Weihnachten muss also wegen Sonia bereits ausfallen; hoffentlich habt ihr das Geld für die Rückflugtickets schon beisetegelegt; uns wird`s himmelangst;-)
    Ach so, zu “Noosa” habe ich auch einen Bezug: im Keller stehen seit geraumer Zeit unberührt meine Laufschuhe “Asics Gel-Noosa”.

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  2. Sven und Grit

    Also wir hätten gern mal ein paar Bilder von den “ekelhaften” Spinnen gesehen.

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