Was lange währt wird endlich gut, und daher habe ich an diesem Beitrag auch mehrere Tage geschrieben.
Ausflüge gezwungenermaßen
Jeden Tag dasselbe: aufstehen, frühstücken, arbeiten, essen, Serien schauen, schlafen. Da dachte ich mir: nee – es reicht. Du bist nicht hier, um zwei Wochen zu arbeiten. Gott sei Dank sah das Christin, unsere Chefin vom Putzen, auch so. Sie hat momentan so wenig Aufträge für uns, dass wir gezwungen waren, Ausflüge zu machen.
Kurz noch mal zum Job-Stand: Nursery bei Maurice war einmal. Dort sind wir kurzerhand nicht mehr hingegangen, weil wir dort zerstochen wurden und der Hungerlohn dieses Jucken nicht wett machte. Wir warten bis jetzt noch auf unseren fehlenden Lohn und Maurice, der coole Gelassene, schreibt auch nicht auf unsere Drohnachrichten (wir wissen, wo dein Schlüssel für die Gärtnerei liegt).
Putzen als Karriereschub
Das Putzen im Team von Christin macht unheimlich Spaß. Ich liebe Putzen ja allgemein sehr gerne (danke an Mama Neurose, ich grüße dich) und mit 25 A$ Stundenlohn in einem leeren Haus, wo später mal das Militär wohnen wird (diese Form nennt man “Bond Cleaning” – Bond. James Bond. Gestaubsaugt nicht gekehrt) gehe ich voll auf. Die Leute sind lieb, Christin ist es auch und sogar Robert mag es, den Staubwedel zu schwingen. Robert hat förmlich die Dollarscheine in den Augen und versucht alles, um Christins Business lukrativer zu gestalten, indem er für neue Mitarbeiter wirbt. Mehr Mitarbeiter, mehr Aufträge, mehr Geld für uns. Logisch. Letztens durfte ich mich sogar als Teamleiter probieren und eine neu geworbene Engländerin in die Kunst des Lamellen-Putzens einführen. War ich vielleicht aufgeregt. Ich bin the big Boss.
Dennoch haben wir viele Tage zwischendurch frei und erkunden die Blüte der Natur Australiens. Angefangen mit den Glass House Mountains, welche früher Vulkane waren und nun da stehen wie hingeworfen.
Wir versuchten, den größten Berg davon zu besteigen. Mit fünf Dollar Schuhen und einer Steigung von gefühlt 50 Prozent. Vor uns ein Pärchen aus Israel, bereit, den steinigen Wänden ins Auge zu blicken. Sie rutschte ab und fiel. Dann sind wir wieder gegangen. Wir hatten schließlich unsere Bilder.
Und weil wir ja Abenteurer sind, kann ich gleich mit zwei weiteren Highlights punkten: Wir waren wieder in Noosa und planschten im türkisfarbenem Wasser. Und wir fuhren nach Bribie Island, liehen uns ein Motorboot aus und fuhren auf hohen Wellen herum.
Sonia, Noosa und hilfsbereite Engländer
Und dann gibt es noch Sonia. Sonia hat ja manchmal keine Lust mehr. Noosa fand sie nicht so schön. Sie bockte und fuhr nicht mehr. Sonia wollte nicht mehr fahren. Sie wollte geschoben werden.
In Noosa schliefen wir auf einem kostenlosen Parkplatz. Am nächsten Tag fiel es Sonia wieder einmal schwer, in die Gänge zu kommen. Das äußert sich dann so: sie wird angemacht, dann geht sie wieder aus. Sie wird wieder angemacht, der Motor läuft eine Weile, dann kann sie auch los. An dem Tag war etwas anders. Lustlosigkeit lag in der Luft. Es gestaltete sich wie folgt: Robert schaltet Sonia an. Sie geht an und würgt ab. Er versucht sie wieder anzuschalten, Sonia startet nicht mehr. Bis auf ein “klack” hört man von der Zündung nichts mehr.
Das wars. Mitten im Wald, ohne Essen, ohne Empfang und ohne Auto. Engländer werden aufmerksam. Sie kommen mit einem Starterkabel. Sonia bockt weiter. Die Engländer holen Hilfe, ein Australier kommt mit einem externen Startergerät. Sonia bockt weiter. Sonia wird angeschoben, von drei Menschen, die die Hoffnung nicht aufgeben. Robert lässt die Kupplung kommen und siehe da:Sonia fährt. Sonia fährt so lange, bis sie wieder ausgemacht wird. Ab da beginnt das Spiel von vorne.
Wir fuhren wieder gen Redcliff und probierten es auf einem Parkplatz erneut. Wieder nur ein Klack Geräusch, keine Motorbewegung. Ein Deutscher kommt, der mit uns eine halbe Stunde auf Englisch Auto-Fachbegriffe austauscht bis er uns endlich auf Deutsch erklärt, was das Problem ist: der Starter und das Öl Leck. Aha. Wir wussten es.
Vertraute Hallen
Gleich am nächsten Tag, nachdem wir stets am Hang geparkt haben, um Sonia ständig anschieben zu können, waren wir mal wieder in vertrauten Hallen mit lieblichem Ölgeruch: die Werkstatt. Beim dritten Mal führten wir zwei uns auf wie wahre Autokenner: wir konnten dem Mechaniker den Autoaufbau auf Englisch erklären und ihm sagen, was er bitte zu reparieren hat. Ich handelte mit ihm noch den Stundenpreis für die Arbeit herunter und so wurde innerhalb von nur zwei Stunden Sonia aufgepeppelt und getuned. Sie bekam einen neuen (naja gebrauchten) Starter, einen neuen Öl Verdichtungsring und oben drauf auch neues Öl. Das hat sich gelohnt für nur 250 A$. Am Ende durften wir sogar beim Mechaniker in seinem Rennwagen durch die Straßen ziehen. Mit nassen Hosen wechselten wir dann aber doch lieber zu Sonia.
Übrigens: Den schönen Wasserfall erreichten wir nach einem vier Kilometer Fußmarsch. Weitere Bilder findet Ihr auch in der Gallery.




Kann es sein, dass zwischen Euch ein kleiner interner Schreibwettbewerb tobt? Aber egal, es war wieder erfrischend und toll zu lesen. Ihr übertrefft Euch ja gegenseitig. Weiter so!
Ihr schreibt wirklich beide total unterhaltsam, dafür mal Hut ab.
Laura, Frau Hauser wird bestimmt die ein oder andere Träne verlieren, falls sie das lesen sollte.
Ich schaue regelmäßig auf eurer Seite vorbei und freue mich immer, wenn es neue Beiträge gibt, weil es einfach wirklich lustig ist, von euren Erfahrungen zu lesen.
Liebe Grüße an euch beide und weiterhin viel Spaß, ich beneide euch!