Nach Byron Bay ging es in Richtung Gold Coast, weiter zum Lamington National Park. Wir fuhren gefühlt drei Stunden Serpentinen hinauf – links neben uns der steinige 100 Meter Abhang ohne Leitplanke. Es war stockduster, ständig Schilder von wilden Tieren und Autounfällen und Robert lieferte sein Meisterstück.
Schreckliche Nachtwanderungen
30 km den Berg hinauf und dann waren wir da: der Nationalpark. Dieser war zu später Stund schon geschlossen, sodass wir dort irgendwo schlafen mussten. Auf dem Weg dahin begegneten uns viele dunkle Wallabys und mehrere Lodges. Wir gingen zur Rezeption, um uns ein Zimmer anzusehen – stolzer Preis von 105 A$, doch Robert bestand darauf. Die Rezeption war wie eine Berghütte mit Kamin ausgestattet und mehrere ältere Leutchen saßen dort und lauschten dem knistern der Flammen.
Das Zimmer war rustikal eingerichtet und in Holz gekleidet. Doch die 105 Bucks waren uns dafür deutlich zu teuer und auch das Schlafen auf dem 28 Dollar teuren Campingplatz sagte uns nicht zu, weshalb wir uns abermals für Sonia und den angrenzenden Parkplatz entschieden.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie dunkel es dort war. Ich rede von wahrhaftiger Dunkelheit, sodass man ab 19 Uhr seine Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte. Das wirklich Positive war, dass wir bei einer Pipi Runde einen Sternenhimmel sehen konnten, wie man ihn in der Stadt nie zu Gesicht bekommen wird. Wie ihr ja bereits wisst, ist das Camping in Australien auf dem Parkplatz nicht gestattet, weshalb wir immer alles abdunkeln, damit wir keine auf den Deckel bekommen. In dieser Nacht gingen immer wieder Reisegruppen mit Taschenlampen an dem Van vorbei, sodass wir kaum ein Auge zumachen konnten. Diese schrecklichen Nachtwanderungen!
Hochwertige Duschen
Früh am Morgen trietzte mich der Arsch Robert aus dem Bett. Es war gerade 6 Uhr!!!! … 6!!!!!! Ich war unglaublich sauer und stinkig. Er bestand darauf, dass wir die Duschen der Lodges heimlich nutzen, um nach 2 Tagen endlich wieder zu duschen. Die Duschen waren wirklich hochwertig und es lagen auch schon frische Handtücher für uns bereit, was für ein Segen! Damit wir aber nicht allzu dreist operierten, verzichteten wir auf den Gebrauch dieser. Am Ende der morgendlichen Prozedur hatte sich meine Laune auch wieder gefangen und ich musste Robert eingestehen, dass es die richtige Entscheidung war. 🙂
Lamington National Park
Anschließend begaben wir uns zum National Park. Wir waren kaum 300 Meter gelaufen, als wir auf ein älteres Paar trafen, die offensichtlich deutsch mit einander sprachen. Tausende Kilometer von Deutschland entfernt, am Ende der Welt in irgendeinem National Park am ARSCH DER WELT um 7:30 Uhr und wir treffen auf ein Paar aus Deutschland – was soll das?
Der Nationalpark war, milde ausgedrückt, langweilig. Es war Natur, ja, aber es gab außer Gräsern und Bäumen nichts zu sehen. Ab und an sprang ein Wallaby durch das Dickicht, was sich aufgrund seiner Scheue aber schnell wieder verzog. Wir wanderten etwas mehr als 5 km und waren am Ende froh, wieder im Van zu sitzen.
Gold Coast
Danach ging es nach Gold Coast – eine Stadt mit vielen Skyscrapers und Stränden, wie sie im Surferbuch stehen. Die Nacht verbrachten wir auf einem Parkplatz direkt am Fluss (die fließen durch die ganze Stadt).
Voller Tatendrang wollten wir am nächsten Tag unsere Sonia endlich auf unseren Namen anmelden. Wir fuhren zum Department of Transport and Main Roads und dachten, mit Reisepass und Kaufvertrag hat sich die Sache. Nope. Die Frau am Schalter war ja zuerst sehr lieb. Dann gab sie uns drei dicke Stapel voller auszufüllende Dokumente mit, sie verlangte ebenfalls das “Road Worth Certificate” (das kommt unserem TÜV gleich) und eine Adresse von uns in Australien. Hm, Frage an euch: Welcher reisende Backpacker hat eine stetige Adresse?
Billys Motor
Naja jedenfalls machten wir uns um 16 Uhr auf die Suche nach einem Mechaniker, der uns für wenig Geld den TÜV abnimmt. Schnell einen gefunden, begutachtete er Sonia fünf Minuten vor Feierabend und kam zu dem Entschluss, dass sie ein Öl-Leck hat und alle vier Reifen so gut wie unfahrbar sind. Er wolle sich das am nächsten Tag nochmal genauer anschauen und es würden Kosten in Höhe von 500 A$ (MINIMUM) auf uns zukommen, wenn wir nur zwei Reifen austauschen und die anderen zwei durch unsere Ersatzräder ersetzen, die oben auf dem Dach sind.
So weit so gut. Aber, nur um sicher zu gehen, ob es nicht einen humaneren Mechaniker gibt, der das Auto einfach nur durchwinkt, fuhren wir weiter. Wir machten bei einer weiteren Werkstatt halt – Billys Motor. Nach kurzer Rücksprache mit dem Lackierer dort, der von unserer Sonia ganz angetan war und der den TÜV einfach so ausgestellt hätte, überredete er Billy, welcher schon unter der Dusche stand, das Auto kurz zu prüfen. Billy ist ein kleiner dicker Türke, der sehr freundlich war. Nach kurzem Blick auf Sonia sagte er: NO. I can´t do that. NONONO! (Nein, ich kann es nicht machen). WHY? 🙁
Jedenfalls sollten wir am nächsten Tag wiederkommen. Wir schliefen abermals am Fluss und Robert stand früh auf, um das Öl wegzuwischen, damit es Billy nicht auffällt.
Billys Lebensgeschichte
Wieder bei Billy, bekamen wir sofort den Termin und er schaute es sich an. Es dauerte keine fünf Minuten und Billy (Billy is not silly) kam zu demselben Fazit. Und: die rechte hintere Bremse war kaputt und verlor obendrein Bremsflüssigkeit, wir verloren Benzin und der Zahnriemen war ebenfalls angerissen. Für die, die wie ich keine Ahnung von Autos haben: es kann zu größeren Unfällen kommen. Der Preis für alles ohne Räder: 1500 A$! NO WAY! Robert und Laura are not silly.
So saßen wir vor ihm, legten unsere Trauermiene auf und sagten, dass wir Backpacker seien und kein Geld haben. Er ließ sich weichkochen und halbierte den Preis. Einziges Manko war, dass er Sonia die Nacht bei sich behalten wollte, also wohin? Er sagte uns, dass wir im Auto in der Werkstatt schlafen könnten und die Möglichkeit hätten seine Dusche und Toilette zu benutzen. Den Tag über liefen wir noch einmal durch die Stadt um dann gegen 18 Uhr wieder einzukehren.
Den Abend verbrachten wir mit alten Lebensgeschichten von Billy und einem fantastischen türkischen Abendessen. Die Nacht schliefen wir dann im aufgebockten Van, die Räder waren abmontiert.
Mit dem fertigen TÜV und dem Zertifikat in der Hand eilten wir wieder voller Vorfreude zum Department, um endlich das Auto registrieren zu lassen. Dort angekommen sagte uns die selbe Dame wie beim ersten mal, in bester deutscher Bürokratie-Manier, dass das Adressdokument nicht ausreichend sei.
Die Bürokratiehölle und ein Resümee
Also waren unsere Investitionen umsonst. Wir hatten davon gehört, dass man die Adresse von einem Caravan Park nutzen könnte. Bedingung war, dass man dort für eine Nacht übernachtet. Also wieder 35 A$ ärmer aber mit einer Adresse im Handgepäck eilten wir 30 Minuten vor Dienstende erneut in die Bürokratiehölle um es endlich zu finalisieren. Ich war skeptisch bezüglich der Adresse, doch Robert blieb ruhig und stoisch.
Dieses Mal erwischten wir Gott sei Dank einen anderen Schalter. Die Dame war zwar ähnlich schlecht gelaunt, aber sie akzeptierte immerhin die Adresse. Mit neuen Nummernschildern unterm Arm und 400 A$ ärmer verließen wir die Zulassungsstelle und musste uns sputen, weil wir nur noch 25 Minuten hatten, um wieder in den Park zu gelangen. Angekommen nutzten wir die Vorzüge eines solchen Parkes und wuschen unser Geschirr und uns selbst. 😀
Unser Resümee der letzten Tage:
- Lasst ein Auto immer checken VOR dem Kauf
(unseres war maximal 300 A$ wert) - Australien ist bürokratischer als Deutschland
- Habt immer eine Adresse parat
- Money is everything!
(der TÜV gilt nur für 2.000 km – wollen die uns verarschen?)

Ihr seid noch keine 4 Wochen unterwegs…! Eure Blogs sind sehr kurzweilig, ja man kann sagen spannend (für Mutti zu aufregend), geschrieben. Ich denke, und das ist sicher auch in eurem Sinne, jetzt könnten mal ruhige Tage kommen; wir lesen hin und wieder auch gern mal einen “langweiligen” Blog. Liebe Grüße aus Zwickau und habt weiter eine schöne Zeit!
Merde!