Wissen wir, wie Olli Kahn sich gefühlt hat, als er den Pokel in den Himmel gereckt hat und dabei schrie: „Da ist das Ding!!!!!!“?
Ich leider nicht, aber Laura hat heute glaube ich ein ganz ähnliches Gefühl gepackt, als wir heute abermals nach Brisbane aufgebrochen sind, um nach Wochen des Wartens das verlorengeglaubte Handy in Empfang zu nehmen.
Es war ein sonniger Tag am 26.08. in Sydney, als ein kleines Mädchen nach den Strapazen eines 40-stündigen Reisemarathons schlaftrunken auf die Airport Toilette stakste, um sich ihrer pinken Thrombosestrümpfe zu entledigen. Leider vergaß sie in der Euphorie ihr Handy auf der Ablage und so begann das Zittern.
Unversehrt und verpackt, als ob es direkt aus dem Flugzeug abgeworfen werden sollte, dauerte es immerhin knapp 10 Minuten, bis Laura die Funktionstüchtigkeit ausgiebig testen konnte. An dieser Stelle soll natürlich ein Held dieser Geschichte nicht vergessen werden: mein Papa Sven hatte sich aufgrund unserer Wehklagen an den Support des Fundbüros gewandt, weshalb Laura jetzt das Handy wieder in den Händen halten kann. Ein dickes, fettes, Dankeschön!!!
Die dramaturgischen Highlights
Es gibt sie auch hier! Die fiese Männergrippe. Der Postillion hatte in diesem oder letzten Jahr über diese schreckliche Krankheit berichtet. Und normalerweise passt sie auch ganz gut in meinen Zyklus, aber doch nicht bei 25 Grad im Schatten. Was ist da bitte los? Hätte ich mir den Hintern in Deutschland abgefroren, nun gut. Aber wir lagen hier vor 2 Tagen am Strand, wir waren planschen und auf dem 6 Kilometer langen Marsch zu einer versteckten Lagune hatten wir uns ganz furchtbar alle Zehen verbrannt.
Wie also kann es sein, dass ich mir im Paradies tatsächlich die Männergrippe einfange? Laura musste mindestens drei Tage um mich bangen. Ich zitiere: „Der Tod stand dir ins Gesicht geschrieben.“ Aber fit wie ich bin, lies ich mich auch bei 48° Fieber nicht von unseren lustigen Aktivitäten abhalten.
QLD University – Das Experiment!
Uns hatte ein anonymer Hinweis erreicht, dass die University of Queensland nach Probanden für ein Experiment sucht. Immerhin erwarteten uns 20 Bucks pro Versuchsperson. Wir sind zwei Personen, also riesige 40 $ näher an der Million. Hätte uns jemand gesagt, dass uns nach drei Stunden ein 60 $ Strafzettel erwarten würde – vielleicht hätten wir die Zeit mit etwas sinnvollen, wie „der Wiese beim Wachsen zusehen“ oder „so schnell um die eigene Achse drehen, bis einem schlecht wird“, verbracht. Aber wer kann schon sowas ahnen?
Wie dem auch sei. Das Experiment bestand darin, rauszufinden, welche Computermaus mit dem geringstmöglichen Aufwand von Muskelkraft zu bedienen sei. Dafür mussten wir uns beide rasieren, wir bekamen Elektroden an den 5 wichtigen Muskeln angebracht und fortan maß ein Computer, wie viel Energie von uns aufgewendet wurde. Oberste Priorität für mich bestand natürlich darin, dass meine Energiekurven doppelt so groß ausfielen, wie die von Laura, denn am Anfang mussten wir die fünf Muskeln so doll anspannen, wie es uns möglich war.
Leider gewann Laura die Kraftmessung deutlich. Im zweiten Teil des Experiments mussten wir wiederrum fünf verschiedene Mäuse testen. Dies geschah dadurch, dass zufällig ein grüner Punkt auf dem Bildschirm erschien, den wir dann mit dem Cursor der Maus anvisieren mussten. Sehr einfach und sehr langweilig. Immerhin musste bei jeder Maus 150 Mal geklickt werden. Aber was tut man nicht alles für die Wissensch… ehm, dass Marketing einer großen Hardware Firma.
Old Petrie Town und die Krähe, die von nichts wusste
In Anschluss an das Experiment setzten bei mir die ersten Symptome der Männergrippe ein, sodass wir uns die folgenden Tage nicht großartig im Land bewegten, natürlich auch weil ich Rücksicht auf das Handy von Laura nehmen wollte. Gestern folgte ein Ausflug zum Old Petrie Town. Dort sollte eine historische Stadt Australiens dargestellt werden. Die Gebäude stammten alle aus der Zeit um 1880 und waren inzwischen wieder als Stores reaktiviert worden. Es war ein ganz netter Ausflug, bis uns eine Krähe aus einem Rückhalt attackierte. Wir liefen bei der Suche nach Kängurus über eine Wiese, als dieses Vogelvieh direkt an meinem Kopf vorbei flog. Ich konnte praktisch ihren Atem riechen. Heute stellte sich heraus, dass die Vögel gerade ihre Brut beschützen, aber ich schwöre, dass ich keines der Küken blöd angeguckt habe. Jedenfalls war ich ab diesem Zeitpunkt in Kampfstellung.
Weil Lauri auf dem Weg zu Old Petrie noch ein Koala Schild entdeckt hatte, waren wir beide die glücklichen Gewinner der Wanderung durch den Nicht-Koala-Wald. Immerhin sahen wir unsere erste Wasserschlange und lernten auch einige nette Moskitos kennen. Die erhofften „wilden“ Koalas blieben uns aber verborgen. Wahrscheinlich hatten sie sich zum Mittagsschlaf zurückgezogen.
Maurice – ein waschechter Aussie
Am Abend fuhren wir noch nach Sandgate, um W-Lan für unsere Job Suche zu schnorren. Und siehe da, Maurice ließ sich erbarmen und lud uns heute zur Nursery zum Umtopfen von Pflanzen ein. Nursery? Nurse bedeutet doch Krankenschwester? Ach quatsch, wir fragen Google. Ach! Beim Kindergarten sollen wir die Pflanzen umtopfen? Klingt nach dem entspanntesten Job auf dem Planeten. Letztendlich war es dann eine Gärtnerei. Danke Google.
Aber auch dort lässt es sich bislang aushalten. Wer kann sich alles an Ray erinnern? Wenn ich abends noch wach liege, kann ich mich noch gut an die Schreie und Peitschenhiebe von Ray erinnern. In meinen Träumen peinigt er mich noch immer, diese und jene Erdbeere schneller zu pflücken. Und nun dieser Maurice. Maurice ist ein waschechter Aussie. Das heißt, dass wir nur 5% von seinem Dialekt übersetzen können. „AJdajsdsajda You can dajsjdas have a break whenever you dasaslkklkdasjdash want. I have dasldaladslmj to trust you.” Cool Maurice, danke. Grob glauben wir, dass er folgendes gesagt hat:
- Wenn ihr Bock habt, dann fangt um 7 an mit Arbeiten, aber nur wenn ihr Bock habt.
- Macht Pause, wann immer ihr Lust habt, ich muss euch sowieso vertrauen.
- Seid ihr sicher, dass ihr morgen wieder hier arbeiten wollt?
- Macht einfach Schluss wann ihr wollt. Räumt nur noch zwei Pflanzen weg.
Am Ende gab es sogar ein eiskaltes Bier. Ich bin jetzt schon etwas verliebt. Jetzt muss er morgen nur noch sagen, dass unser Lohn verdoppelt wird und ich werfe mich vor ihm auf die Knie und halte um seine Hand an.





Das Warten hat sich gelohnt. Hilarious! Vielen Dank! Nun aber hop, hop! Zwei Schulterklopfer! Der nächste Blogeintrag will geschrieben werden!
Dann pass jetzt mal gut auf dein Handy auf , kleiner Tollpatsch 😀 :p . Schön das ihr einen Job gefunden habt , der euch mehr Freude bereitet 🙂 . Eure Einträge sind echt super , ich freue mich von den nächsten Erlebnissen zu hören. ♡
Einen – leider immateriellen – Pokal gibt es von mir auf jeden Fall für diesen Beitrag: nützliche Fundbüros, sich sorgende Vögel, extrem erkenntnisreiche Experimente (kennen die Mitarbeiter dieser Universität eigentlich den Ig-Nobelpreis?), wirklich kranke Männer und Gartenarbeit.
Sehr fein. Bitte mehr davon!
Ray hat euch nicht gesagt, welche Erdbeere ihr pflücken sollt,sondern welches Unkraut :):):)
Wieder ein toller Blog von euch. Um solche solche spannenden Storys schreiben zu können muss man aber auch viel erleben; zum Glück mangels euch daran ja nicht. Warten auf den nächsten Eintrag!