Wisst ihr noch, als ihr mal jung wart und sechs Wochen Sommerferien hattet? Ist es euch da auch so ergangen, dass ihr in der vierten Woche einfach nicht mehr wusstet, welcher Wochentag geschweige denn Kalendertag war?

Das lag zum einen daran, dass ihr, solange Mutti nicht mit dem Staubsauger in regelmäßigen und absolut ungewollten Abständen an eure Zimmertür gekommen ist, ewig schlafen konntet und zum anderen an der Einfallslosigkeit, weil man ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach nicht mehr wusste, was man sonst noch mit seiner Freizeit anfangen sollte.

Nursery Arbeit – so nicht

20161010_rola_an0158Wir hatten euch vor kurzem Maurice vorgestellt, den nicht Kindergarten-Chef. „Hi I´m Dsadsdanadjs Maurice. Blabla dajdasb Blabla.“ Ihr erinnert euch? Ein toller Kerl!
Wir standen also am Ende unseres ersten Tages bei ihm und fragten, ob es in Ordnung wäre, wenn wir morgen wieder arbeiten würden. Und er hatte etwas erstaunt gefragt, ob wir sicher seien. Tja, das lag nicht daran, dass er so wenig daran geglaubt hat, dass wir das wirklich noch einen zweiten Tag machen würden wollen.

Nein, es lag daran, dass Freitagabend war und wir gerade das Wochenendbier genossen hatten. Man muss dazu sagen, dass bis auf die Shopping Möglichkeiten hier am Wochenende nicht sonderlich viel geöffnet hat. Werkstatt? Nö! Solardachverkäufer? Kannste knicken! Und eine einfache Nursery von Nebenan? Auf gar keinen Fall! Und so standen wir ohne Zeitgefühl am nächsten Morgen auf und sahen voller Erstaunen, Wut, Trauer, Entsetzen (die Reihe könnte ich beliebig weiterführen) auf dem Handy, dass Samstag war. SAMSTAG! Arbeiten an einem Samstag? Und dann noch die ominöse Nachricht SMS von Maurice: „Der Schlüssel liegt unter dem Briefkasten.“ Na danke auch!

Die ungewollte Kausalität

20161010_rola_an0155Aber was machen richtig harte Hunde wie wir? Wir ziehen es durch. Und da standen wir nun alleine in der Gärtnerei an unserem zweiten Tag. Bis auf ein kurzes Vorbeischauen der Schwester von Maurice passierte dann auch den lieben langen Tag nichts. Aber wie ihr euch denken könnt, nahm das Fiasko seinen Lauf. Montag, ganz normaler Wochentag, nech? Kannste knicken! Queensbirthday Whatever ist in Queensland ein Feiertag und das wusste jeder, außer wir. Also arbeiteten wir nach dem SAMSTAG auch noch an einem Feiertag!!!! Die absolute Höchststrafe. Die Zeit nutzten wir um Pferde und allerlei Geräte zu bestaunen. Effektive Arbeitszeit – wir genießen und schweigen …


Die Gärtnerei ist wirklich entspannt. Maurice ist entspannt, die Pflanzen sind entspannt, nur der Lohn und die mega ekligen Spinnen, welche sogar einen Hühnen aus Irland wie ein Mädchen davon laufen lassen, sind nicht so cool. Maurice der Gauner hat uns nämlich ein Trial auferlegt, in dem er uns nicht den Mindestlohn zahlen muss. Gut, wir arbeiten jetzt auch entsprechend, aber das ist eher eine ungewollte Kausalität. Also bemühten sich Lauri und ich weiter um Jobs und siehe da – wir wurden zum Testarbeiten als Putzfrau und Putzmann eingeladen. Für die nächsten zwei Tage meldeten wir uns krank.

Noosa City – Das Paradies!

Auf nach Noosa, was der Vorstellung des Paradieses bislang glaube ich am nächsten kommt.

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Empfangen wurden wir in einer Ecke der Stadt von Christine, die uns mit zum ersten Job nahm. Gerne würde ich jetzt wieder was lustiges und auffälliges über sie berichten, aber das Auffälligste an Christin ist, dass sie aus Südafrika kommt und leicht verständliches Englisch spricht. Beim ersten Job durften wir die Räume einer ultramodernen Kirche putzen. Wir dachten zuerst es sei ein Hostel, weil wir von einem jungen Hipster mit Apple Laptop empfangen wurden, aber die Kirche hier ist so unglaublich Hipp, dass ihr es euch nicht ausmalen könnt.


20161005_rola_an0153Im Anschluss an die Kirche fuhren wir zu 3 vermieteten Apartments. 400 A$ zahlt man dort pro Tag. Und ich kann euch sagen – das sieht man auch! Eine wunderschöne Maisonette mit Blick auf eine Azurlagune – da will man eigentlich nicht arbeiten, aber für knapp 25 A$ die Stunde muss man dann halt durchziehen. Und diese Summe scheinen wir wirklich für jeden Putzjob zu bekommen. Das entspricht etwas mehr als 16 € pro Stunde. Wenn man das den Leuten daheim erzählen würde, der Wahnsinn.


Der zweite Tag des Putzdienstes führte uns wieder nach Brisbane, wo wir ein Privathaus für das Militär säubern sollten, weil dort demnächst Soldaten einziehen werden. Der Job war sehr entspannt und für 5 h Wände abwischen, Fensterrahmen putzen und sich im begehbaren Kleiderschrank verstecken, bekommen wir zusammen sehr gutes Geld. Leider aber werden wir dieses gleich wieder in unsere geliebte Sonia investieren müssen.

Sonia, ich hasse, nein liebe, nein hasse, nein liebe, dich!

Zwischen mir und Sonia ist mittlerweile so eine Art Hass Liebe entstanden. Sonia hat sich mit dem „ich hab kein Bock mehr Gas zu geben, obwohl Robert mein Gaspedal in den Boden rammt“ Syndrom infiziert und ich drohe ihr bei jeder Möglichkeit Autogewalt an.

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Die Werkstatt, wo wir am Freitag eingekehrt sind, kann sich aber erst, welch Wunder, am Montag damit beschäftigen, sodass wir das Wochenende wieder bei einer Werkstatt verbringen mussten. Ich grüße an dieser Stelle Billy not Silly! Den Samstag haben wir dann entsprechend mit Arbeiten in der Nursery verbracht. Und es war der bislang schlimmste Tag von allen.

Als wir früh noch schlaftrunken den Marsch Richtung Gärtnerei angetreten sind, ist Laura fast auf eine sich sonnende Schlange getreten. Zum Glück sind beide, sowohl Lauri als auch Schlange schreiend voneinander weggelaufen. Bei der Arbeit war dann der Spinnen Supertag. Da eine große, da zehn kleine. Unglaublich viele. Und mit groß meine ich – die Hälfte eines 10 € Scheins. Außerdem hat mich ein Lurch von hinten erklommen: “Laura sieh bitte mal auf meinen Rücken ich glaube da krabbelt etwas hoch. (ich hatte eine Spinne im Sinn).” Sie, “Da ist aber nichts.” Und in dem Augenblick hatte sich der Lurch schon zu meiner Schulter durchgewurschtelt und saß auf meinem Arm. Ich muss zugeben, fast hätte ich mir in die Schlüpper gemacht. Aber damit nicht genug.

Wir mussten Dünger auf die frischen Pflanzen legen. Ich ging also mit meinem Dünger bewaffnet durch einen der Gänge, als mich parallel, ohne Vorwarnung und blitzartig zwei Bienen stachen. Hand und Wade mussten daraufhin akut verarztet werden. Das war wahrlich kein Zuckerschlecken an jenem Samstag.

Update: wir waren gestern am Sonntag freiwillig arbeiten. Die Sonne scheint uns nicht gut zu tun. Sonia steht in diesem Augenblick in der Werkstatt und wird verarztet, den verdammten Vergaser scheint es erwischt zu haben.