Während ich euch von Perth berichte, sind wir derweil schon auf der anderen Seite, in Sydney. Wir sind ein kleines bisschen im Rückstand mit dem Verfassen.

Überengagierte Touristen mit Kameras und Selfiestick

Wir hatten keinen Stress oder so, aber wir sind zurzeit (oder wie immer) abhängig von unserem alten Mädchen Sonia, die uns ganz schön zu schaffen macht. Nach den tollen Erlebnissen an der Westküste kamen wir also nach Wochen der Dürre und des Nichts in Perth an, die abgeschiedene Großstadt im Westen. Hach war das herrlich, eine Brause in der Hand zu haben und sich mal zu waschen.

Am ersten Tag besuchten wir die Pinguin-Insel im Süden. Es gab keine Garantie, einen kleinen wilden Vogel zu sehen und dennoch wagten wir die Überfahrt. Vögel sahen wir auch: Möwen, die überall hinkackten und Täubchen. Wir liefen die ganze Insel ab und sahen nichts.

Doch dann erblickten wir eine Menschen-Traube bei den Treppen und da waren sie: sichtlich genervte Pinguine, die sich vor den überengagierten Touristen mit Kameras und Selfiestick verstecken wollten. Naja, so machten wir viele Fotos mit Selfiestick und ich traute mich nach minutenlanger Angst, den kleinen übers Gefieder zu streifen. Wir zeigten noch den anderen Touristen den Platz, sodass der Kreislauf weiterging. Insgesamt sahen wir fünf Pinguine und zwei Delfine – die Insel hat sich also gelohnt.

Rottnest Island – Ratteninsel

Vor Perth gibt es aber noch eine größere Insel: Rottnest Island – Ratteninsel. Da wollte die Lauri hin. Als Ratten werden die dort lebenden Quokkas bezeichnet. Diese kleinen Beuteltiere gingen mit dem Titel „die glücklichsten Tiere der Welt“ in die Beuteltiergeschichte ein. Wenn ihr es mir nicht glaubt, googelt selbst. Jedenfalls sprechen diese Bilder Bände.

Die Fähre war relativ teuer, aber ich fand ein super Schnäppchen (50 pro Person, für Robert kein Schnäppchen), sodass ich meinen Wunsch erfüllen konnte. Auf der Insel selbst liehen wir uns Fahrräder aus und erkundeten sie. Am ersten Berg bereits scheiterte ich und lief mit einer Mädelsgruppe, die auch nicht besonders sportlich aussah, zusammen hoch. Dabei hatte ich nur den falschen Gang drinnen. Mit Helm und Kamera kuschelten wir die kleinen Ratten, die sich komischerweise nur dort aufhielten, wo es die Besucher hinzieht. Im Internet fanden wir heraus, dass sie sogar ihren Schlafrhythmus dem der Menschen anpassten, obwohl sie für gewöhnlich nachtaktiv sind. Auch auf dieser Insel sahen wir Delfine, Pelikane und genossen den Tag mit dem Rad.

Am 26. Januar fand der spektakuläre Australia-Day statt, an welchem die Australier feierten, dass sie… eben Australier sind. Es muss ja keine Begründung dafür geben, wieso sie den Tag frei haben und sie wie bei der Fußball WM mit Australien Flaggen, Tattoos und Schminke herumlaufen und abends ein Feuerwerk stattfindet. Der Knaller war die Live Band der australischen Armee.

Geputzt, lackiert, gut zu geredet und bedroht

Doch der schönste Moment in Perth war, als wir dachten, wir bekommen Sonia los. Unser Plan war es, Sonia in Perth zu verkaufen und nach Adelaide weiterzufliegen. Wir stellten sie im Internet für 4.000 rein (ok, das war Wunschdenken). Nichts! 3.000 sind auch ok. Nichts! Na gut, wir wollen die alte Mistkuh losbekommen: 2.000 – letztes Angebot.

Eine Interessentin: wuhu! Freude, Tränen, Umarmungen. Sonia wurde geputzt, lackiert, gut zu geredet und bedroht. Mit pochendem Herz und nassen Händen – wie beim ersten Date – kamen wir bei dem Mädchen an, welches sich traute, Sonia zu kaufen. Laura, 19, aus Deutschland kam uns noch voller Hoffnung entgegen.

Robert der Verkäufer

Wir machten das gut. Robert erklärte alles und pries Sonia an, wie einer, der im Teleshopping-Kanal die beste Bratpfanne verkaufen will. Wir fanden es ja schon mehr als unbefriedigend, dass sie für 2.000 verkauft werden soll, immerhin hatten wir nicht nur Blut, Schweiß und Tränen in die olle Karre reingesteckt. Doch als Laura anfing, dass ihr der letzte Check up vor zwei Monaten nicht reiche und sie nochmal einen möchte, da ging mir das Messer in der Tasche auf.

Nein Spaß, ich war ruhig und wütend. Für 2000 bekommst du in Deutschland zwar auch so eine alte Krücke, aber wir hatten ja immerhin noch das Solardach!!! Laura fand es zwar cool, wollte aber die Sicherheit, da sie alleine reist. Auch mit wenn und aber wurde Sonia an dem Tag nicht verkauft. Und da wir uns nun mit ihr in Sydney befinden (Achtung: Spoiler), wisst ihr, wie es in den anderen Städten lief.

Nicht Deutschland-kalt, sondern Australien-kalt

Um die Innenstadt von Perth anzuschauen, suchten wir uns den letzten und den nicht ganz geeigneten Tag heraus: es schüttete und es war kalt. Also nicht Deutschland-kalt, sondern Australien-kalt. Zwei Stunden irrten wir mit dickem Pulli durch die Stadt und es endete damit, dass wir einen heißen Kakao tranken. Danach ging es weiter: Adelaide, in welcher zwei deutsche Mädels auf die Besichtigung von Sonia warteten.

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