Zu Beginn möchte ich euch bitten eure Augen zu schließen – nein, wartet noch kurz mit dem Schließen der Augen!! Stellt euch vor, dass ihr über eine endlos erscheinende Landstraße fahrt, es regnet und die dicken Tropfen zerschellen an der Frontscheibe, weil ihr mit rasanten 90 km/h rumbrettert. Es ist warm und es muss euch vorkommen wie die perfekte Abkühlung, ihr seid geneigt, euren Kopf aus dem Fenster zu strecken, um den einen oder anderen Tropfen mit eurem Mund zu fangen.
Ein Regen aus Fliegen und Käfern
Und jetzt stellt euch vor, dass der Regen aus Fliegen und Käfern und anderen leckeren Insekten besteht. Dass es Tropfen unter diesen Tropfen gibt, bei denen ihr eher vermuten würdet, dass euch ein kleiner Vogel gegen die Scheibe geflogen sei. Auch gibt es Tropfen, die an eurem rechten Außenspiegel zerschellen, um sich dann als kleine Einzelteile in den Innenraum eures Autos zu ergießen, damit ihr ein perfektes Gefühl für den weichen Kern des kleinen Dings entwickelt.
So oder so ähnlich ist es uns auf dem Weg ins Landes- (oder eher Kontinent-) innere ergangen. Als Robert etwas Schlangenartiges auf dem Schoß hatte, es sah aus wie ein Teil von einer gelben Schlange, musste ich von 90 km/h auf 0 abbremsen und an den Rand fahren.
Keine Einkaufsmöglichkeiten, aber nasse Füße
Ich wollte schon immer in das Outback. Die Küstengegend ist zwar belebt und vielseitig, aber ich finde, Australien ist nur Australien wegen seines Kerns. Und das ist: Wüste, roter Sand/Erde, frei herumspringende Kängurus und die Weite im Nichts. Nach Townsville (ja, wir mussten von Cairns wieder herunterfahren) traten wir die circa 2.400 km Strecke nach Alice Springs, die ursprüngliche Heimat der Aborigines, an. Hier befindet sich auch Ayers Rock (der rote große Stein). Das dachten wir zumindest, aber später mehr.
Schon auf dem Weg sah ich Kängurus (lebende und tot gefahrene) und Kühe (!!!), die dort einfach auf dem Highway herumliefen. Ein paar Schilder, die davor warnten und schon hat sich das. Was mich aber wirklich zu tiefst erschütterte, war, dass es im Outback wirklich nichts gibt (Ironie). Keine Einkaufsmöglichkeiten, keine Lagunen, keine Duschen. Die Tankstellen waren mehrere hunderte Kilometer auseinander, sodass wir unsere Kanister sicherheitshalber vollmachten.
Alarmglocken
Wir beschlossen, in einem freien Camp zu schlafen, was ein Hotel (wer kommt da bitte hin?) anbot. Allerdings fanden wir nachts die Einfahrt nicht und dummerweise machte ich dort auch noch den Motor aus. Bei Robert läuteten sofort die Alarmglocken. Dass Sonia sensibel ist, wisst ihr ja. Ihr müsst aber wissen: wenn Sonia einmal läuft, dann ist das schon Glückssache. Sie aber nach kurzer Zeit wieder anzumachen, das ist Qual. Da saßen wir schon in manchen Gegenden herum und schoben sie.
Naja, jedenfalls war ich so blond, und machte sie aus. Also hieß es um 11 Uhr in der Pampa mit heftigen Regenschauern und Pfützen bis zu den Knöcheln: Sonia anschieben. Das ging nicht so gut. Robert war auch nur ein ganz klitzekleines bisschen sauer auf mich, da er auch noch etwas erkältet ist. Irgendwann hatte sie jedoch genug Speed und es ging weiter. Unser Ziel: die nächst „größere“ Stadt (bestehend aus einer Tankstelle).
Viel Wasser und ein unplanmäßiger Stop
Auf dem Weg dahin stand ein Auto am Seitenrand und der Fahrer winkte uns heftig, allerdings zu spät. Wir fuhren noch 10 Meter und da standen zwei weitere Autos im Rasen. Oh Gott: Unfall? Ich ging im Kopf meinen letzten DRK Kurs durch. Zum Glück waren alle wohl auf und saßen auf der Straße. Robert fragte, ob alles okay sei und sie zeigten auf die Straße, die sich in einen Bach verwandelt hatte. Die Messlatte zeigte einen Meter. Ja, es hatte geregnet, aber so sehr, dass das Wasser sprudelnd die Straße dicht macht? Der Aussie watschelte durchs Wasser und versank bis zur Hälfte seines Körpers.
Okay, Plan B. Sie sagten, dass wir warten können, aber an die Seite heranfahren sollen, da sich ein Road Train nähert. Road Trains sind sehr lange LKWS mit mehr als vier Anhängern. Sie sind bis zu 53 Meter lang und sehr schnell, da sie kleinere Städte mit Ressourcen beliefern. Ich hatte Angst, dass er mit vollem Tempo durch das Wasser fährt und Sonia flutet – also alle Fenster zu. Allerdings war das dem Truckfahrer auch zu tief, sodass er stehen blieb.
Wir beschlossen, dass wir wieder zurück zum Hotel fuhren und dort irgendwo schliefen. Der Himmel war bezaubernd; man konnte die Milchstraße sehen. Das Froschkonzert war sehr laut, sodass ich eine Aufnahme davon machte. Wir schliefen illegal neben der Polizei und machten 6 Uhr Früh wieder los.
Die grüne Wüste
Die Fahrt zog sich und zoog sich und zooooog sich. Mehrere Stunden bei 40 Grad ohne Klimaanlage. Mein Herz pumpte ganz schön. Wir waren schon froh, wenn wir einmal an einer Tankstelle anhalten konnten. Der Wasserkanister und unser Vorrat an Essen waren auf diesem Weg sehr nützlich. Das Komische war, dass die Wüste grün war. Überall Gräser, grüne Bäume und überflutete Abschnitte: willkommen in der Regenzeit.
Die zwei Sekunden Schauer und die Blitze in der Nacht, die stundenlang das ganze Outback erleuchteten, waren eine Abwechslung. Wir sahen viele Schlangen auf der Straße und viele Echsen. Im Großen und Ganzen also eine schöne Fahrt, auch wenn sie über einen Tag ging. Viele ausgebrannte Autos, die verlassen im Gras standen und viele geplatzte Reifen machten uns ein wenig Angst, aber jeder entgegenkommende Autofahrer winkte wie ein Busfahrer, als seien wir nach Stunden die ersten Menschen. Und dann waren wir endlich da: im Zentrum der roten Wüste.



Ohje da hattet ihr ja wieder ganz schön Glück, mit Sonia und der Überflutung. Schön das alles soweit noch gut gelaufen ist und ihr euer Ziel nun erreicht habt 🙂 . Wie immer sehr gut geschrieben !